Wahlkampf in H0
Wenn Frankfurt-Ost schon im Modell Plakate hängt
Frankfurt-Ost kann Wahlkampf – und zwar sogar im Maßstab 1:87. Während anderswo noch über Standorte, Genehmigungen und Kabelbinder diskutiert wird, hat Christoph Dehe, ein Vorstandsmitglied der CDU Frankfurt-Ost, längst Fakten geschaffen: In seiner liebevoll gebauten Modellbahnlandschaft stehen bereits die ersten Wahlplakate. Nicht irgendwo im Abstellgleis, sondern ganz stilecht an Laternenmasten, an Straßenecken und entlang der Hauptstraße – dort, wo sie hingehören: mitten ins (Mini-)Leben.

Wer die Bilder sieht, erkennt sofort: Das ist nicht einfach „ein paar Plakate“. Das ist ein kompletter Wahlkampf-Mikrokosmos. Auf Kopfsteinpflaster rollen Käfer, Coupés und ein gelber Flitzer an der Plakatreihe vorbei. An anderer Stelle rückt schweres Gerät an – Bagger, Raupe, Baustellenfahrzeug. Und auch das passt erstaunlich gut zur Realität: Wenn irgendwo Wahlkampf ist, ist nie weit entfernt auch eine Baustelle. Im Modell ist sie immerhin pünktlich, ordentlich abgegrenzt – und die Wahlwerbung hängt trotzdem.

Besonders charmant: Die Plakate wirken im Miniatur-Straßenbild nicht wie Fremdkörper, sondern wie ein Detail, das man erst beim zweiten Blick wirklich würdigt. Genau das macht die Szene so komisch wie klug. Denn in der echten Stadt rauscht man oft an Laternen vorbei, ohne hinzuschauen. Im Modell aber bleibt das Auge hängen: „Moment mal – da hängt ja CDU-Wahlwerbung!“ Und plötzlich ist man mitten in der Frage, die Kommunalwahlkampf ausmacht: Was passiert eigentlich direkt vor der Haustür?

Die Modellstadt liefert die passende Kulisse gleich mit: Altbaufassaden, eine Spielwaren-Ecke, ein Bahnhof in der Tiefe der Perspektive, ein paar Passanten, die wirken, als hätten sie gerade wirklich etwas vor. Es ist diese Mischung aus großer Sorgfalt und augenzwinkernder Idee, die das Ganze so gut macht. Der Wahlkampf wird hier nicht „klein gemacht“ – er wird auf charmante Weise nahbar. Man könnte sagen: Politik zum Anfassen. Nur dass man in dieser Stadt bitte wirklich nichts anfassen sollte, weil sonst der Bahnsteig verrutscht.

Und genau darin steckt die Pointe: In einer Zeit, in der Politik schnell groß, laut und abstrakt wirkt, zeigt diese H0-Aktion das Gegenteil. Kommunalpolitik ist die Laterne vor dem Haus, die Straße ums Eck, der Gehweg, die Schule, der Platz, an dem man sich trifft. Im Modell sieht man das auf einen Blick – und lacht, weil es so treffend ist.

Am Ende bleibt ein sehr frankfurt-ostiges Fazit: Wenn Wahlkampf sogar zwischen Mini-Gullideckeln und winzigen Parkbuchten funktioniert, dann klappt’s auch draußen auf der echten Straße. Und falls nicht – dann hat Frankfurt-Ost immerhin schon mal bewiesen, dass es mit Maßstab umgehen kann.